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Motive gekonnt in Szene setzen

Buchtipp: Perfekt fotografieren

Lernen Sie fotografisch zu sehen. Schärfen Sie Ihren Blick durch den Sucher für Motiv und Bild-Gestaltung. Vertiefen Sie Ihr Wissen in Sachen Kamera-Technik und Objektive. In diesem Buch geben die beiden Profi-Fotografen Reinhard Wagner und Klaus Kindermann ihre jahrelange Praxis-Erfahrung an Sie weiter, um die Leidenschaft für die Fotografie mit Ihnen zu teilen. Denn alle Fotografen wollen letzten Endes nur das Eine: perfekt fotografieren.

Technik und fotografisches Know-how: Hier steht, was Sie gegen Rauschen unternehmen können und wie Sie bauartbedingte Abbildungsfehler von Objektiven nachträglich korrigieren. Das Beherrschen der Kamera-Funktionen allein macht aber noch keinen guten Fotografen aus. Noch wichtiger ist das Wissen um den gekonnten Einsatz von Licht und Schatten. Licht ist der bestimmende Faktor in der Fotografie, ohne Licht geht es nicht. Lernen Sie, wie Sie besondere Lichtstimmungen bei Ihrer Motivgestaltung richtig einsetzen.

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Ob beim Porträt-Shooting mit Studiolicht, mit natürlichem Licht oder mit dem Einsatz professioneller Blitztechniken. Hier steht alles, was Sie über die Belichtungsmessung und die richtige Fokussierung wissen müssen. Lernen Sie alles über das optimale Zusammenspiel von Brennweite, Blende und Belichtungszeit. Spielen Sie gezielt mit der Schärfentiefe. Nutzen Sie Ihr neues Wissen und setzen Sie es in außergewöhnliche Fotos um!

Klaus Kindermann und Reinhard Wagner beschreiben in diesem Buch mehr als nur den Umgang mit der Fototechnik und das Wissen um die perfekte Bildgestaltung. Sie vermitteln Ihnen kameraunabhängig auch ihre Begeisterung für dieses fantastische Medium. Durch ihre langjährige Erfahrung und die kritische Auseinandersetzung mit der Fotografie können Ihnen die Autoren alles zeigen, was Sie brauchen, um einfach bessere Fotos zu machen und dabei Ihren eigenen, unverkennbaren Stil zu entwickeln.

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Inhalte des Buchs „Perfekt fotografieren“

Fotografisch sehen lernen

Das Auge sieht subjektiv, es ist wählerisch und immer in Bewegung. Typische Anfängerfotos zeigen immer dieselbe Abbildungsweise: Der Mittelpunkt des Interesses sitzt in der Bildmitte, Unwesentliches wird zunächst bei der Aufnahme gar nicht bemerkt, ist aber im Bild unübersehbar.

Im fertigen Bild aber ist die freie Wahl des Auges durch den Bildrahmen begrenzt, eine Bewegung kann bestenfalls simuliert werden.

Die Kamera ist unbestechlich

Die Kamera sieht objektiv, sie gibt alles wieder! Eine Kamera lässt sich durch unsere Emotionen nicht beeinflussen, sie gibt ein Bild so wieder, wie es im Augenblick derAufnahme, technisch gesehen, vorhanden war. Das Bild ist durch die Aufnahme festgelegt, fixiert und wird subjektiv empfunden. Ist das Bild erstellt, wird es wiederum subjektiv empfunden. Dieses subjektive Empfinden ist abhängig von der Darstellung, der Größe, den Farben und von unseren eigenen momentanen Gefühlen. Je besser es dem Bild gelingt, unsere bei der Aufnahme vorhandenen Gefühle zurückzubringen, desto zufriedener werden wir mit diesem Foto sein. Wir haben dann ein optimales Erinnerungsfoto erstellt. Ein anderer Betrachter, der bei dieser Aufnahme nicht dabei war, wird natürlich seine eigenen Schlüsse (Aufgrund seiner Emotionen) ziehen.

Sollen also für nicht vorbelastete Betrachter ansprechende Fotos erzielt werden, müssen hier die Regeln der Bildgestaltung und des Zeitgeists so angewendet werden, dass diese Fotos die Gefühle der Betrachter aktivieren. Diese dritte Person ist zunächst unbeeinflusst von unseren Erinnerungen an die Aufnahmesituation. Erst wenn es gelingt, in dieser Person ähnliche Emotionen zu wecken, wird unser Bild als bedeutungsvoll empfunden.

Fazit
Auch in einer hochemotionalen Situation müssen wir uns auf die Technik und die Regeln der Bildgestaltung reduzieren, um bei einem unabhängigen Betrachter unserer Fotos eine Wirkung zu erzielen. Die Kamera zeichnet alles genauestens auf, was durch den Blickwinkel des Objektivs erfasst wird. Durch die verkleinerte Wiedergabe im späteren Bild erhalten wir zudem einen völlig anderen Eindruck, als dies für unsere Augen während der Aufnahme der Fall war. Um also Bilder herzustellen, die unseren persönlichen Eindruck wiedergeben, ist es erforderlich, das fotografische Sehen zu erlernen und mittels der Technik umzusetzen.

Schulung der Sehweise

Die Fähigkeit des fotografischen Sehens beruht auf einer Schulung der Sehweise . Um
ein Bild bereits vor der Aufnahme fotografisch zu sehen, müssen Sie Ihre Sichtweise auf die Zweidimensionalität beschränken. Da wir es jedoch gewohnt sind, alle Dinge mit zwei Augen dreidimensional zu betrachten, denken wir uns diese dritte Dimension selbst bei der Betrachtung mit nur einem Auge – wie durch die Kamera – hinzu. Im Bild wird diese dritte Dimension jedoch nur durch eine spezielle Linienführung sichtbar. Viele weitere Effekte und Stimmungen basieren zudem auf einer symbolisierten Darstellung. Die Umsetzung der Realität auf einem Foto muss deshalb auf der Grundlage von Bildanalysen erlernt werden. Hier eine Zusammenstellung der wichtigsten Aspekte:

Auge und Kamera

  • Nehmen Sie Ihre Umgebung bewusst wahr.
  • Das Auge sieht subjektiv, es ist wählerisch und immer in Bewegung.
  • Die Kamera sieht objektiv, sie gibt alles Sichtbare wieder – und ist dennoch subjektiv durch die Wahl des Bildausschnitts und die Beeinflussung durch den Fotografen.
  • Das endgültige Bild ist festgelegt und wird individuell subjektiv empfunden.

Fotografisches Sehen

  • Wir sehen dreidimensional , selbst wenn wir ein Auge schließen, denken wir uns die Ansicht des zweiten Auges dazu. Wir sehen sozusagen stereo . Ein Foto ist immer zweidimensional (Höhe und Breite ). Die dritte Dimension (Tiefe ) kann nur durch grafische Symbole angedeutet werden.
  • Das Bild ist starr, Bewegung kann nur symbolisiert werden (z. B. durch Verwischung).
  • Ein Bild besteht lediglich aus Flächen und Linien, Farben und Farbabstufungen (bei Schwarz-Weiß-Bildern aus Grautönen). Emotionen und Gefühle müssen deshalb symbolisch erzeugt werden.

Beeinflussung durch den Bildgestalter

  • Komposition der Bildordnung: statisch, symmetrisch, asymmetrisch, zentral, dynamisch, ausgewogen, kontrastierend, Goldener Schnitt.
  • „Eine gute Komposition ist harmonisch, ein optischer Akkord oder auch die klarste Weise, die Dinge zu sehen.“ (Edward Weston)
  • Wesentlich ist, wie man etwas sieht, nicht nur, was man sieht.
Motiv und Bildanalyse

Betrachten Sie Motive von allen Seiten und werten Sie sie dann aus. Wie sehe ich das Bild, wie ist es wirklich – ohne meine subjektive Sicht? Wie ist die vermutliche subjektive Sicht durch andere Betrachter? Wer wird sich für das Bild interessieren? Weshalb? Wie kann ich die Aussage verstärken, besser gestalten?

Faktoren für eine subjektive Bildanalyse

Die wichtigsten Faktoren bei der Bildanalyse nach subjektivem Maßstab sind:

  • Wesen des Objekts.
  • Zweck des Bilds.
  • Eigene Einstellung zum Objekt.
  • Umsetzung der Idee zum Bild.
Faktoren für eine objektive Bildanalyse

Jedes Bild besteht aus Farben und Formen, die dem Betrachter die Möglichkeit geben, diese zu interpretieren. Die jeweils subjektive Interpretation lässt sich jedoch auf bestimmte Grundregeln zurückführen, die es dem Gestalter ermöglichen, auf die Interpretation Einfluss zu nehmen. Der Betrachter tendiert dazu, Bilder wie Schrift zu lesen, also von links nach rechts.

  • Hell-Dunkel-Analyse.
  • Proportionsanalyse.
  • Bewegungsanalyse.
  • Farbkontrastanalyse.

Bilder aus der klassischen Malerei ermöglichen das Studium der Gestaltungselemente und deren Wirkung auf den Betrachter.

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Licht: der bestimmende Faktor

Licht ist der entscheidende Faktor in der Fotografie, ohne Licht geht es nicht! Fotografieren bedeutet, mit Licht zu zeichnen. Der Umgang und die Beherrschung des Lichts ist der absolut entscheidende Faktor in der Fotografie und erfordert eine genaue Beobachtungsgabe. Betrachten wir das Licht nun einmal unter verschiedenen möglichen Aspekten.

Lichtquantität und Lichtqualität

Die richtige Belichtung des Bilds ist abhängig von der Beleuchtung eines zu fotografierenden Objekts. Im Wesentlichen ist sie abhängig von der vorhandenen Lichtmenge (Quantität des Lichts), aber auch von der Lichtsituation (z. B. bei Gegenlicht). Bei der Beleuchtung geht es jedoch in erster Linie um die Qualität des Lichts, die verschiedenen Lichtarten und deren Anwendung in der Fotografie.

Tageszeitabhängige Lichtstimmungen

Natürliches Licht ist starken Veränderungen im Laufe eines Tages unterworfen, diese Lichtstimmungen sind Teil unseres Lebens und folglich entscheidend für eine Bildaussage und eine Wiedergabe auf Film oder Sensor. Künstliches Licht ist ein Hilfsmittel und durch seine Art und seinen Charakter ebenfalls stimmungsabhängig.

  • Lichtquantität = Menge des vorhandenen Lichts
  • Lichtqualität = Art und Richtung des vorhandenen oder erzeugten Lichts

Die Lichtquantität beeinflusst die Belichtung des Films oder Sensors, die Lichtqualität beeinflusst die Stimmung und Aussage des erzeugten Bilds.

Wie lässt sich die Lichtqualität beeinflussen?

Bei den natürlichen Lichtarten lässt sich die Lichtqualität durch die Wahl des Aufnahmeorts und der Aufnahmezeit (Tageszeit) beeinflussen, d. h., die Beleuchtung der Aufnahme ist den vorhandenen Gegebenheiten unterworfen. Bei Kunstlicht lässt sich die Lichtqualität durch die Wahl des Aufnahmeorts oder die Wahl des Orts der Lichtquelle, durch die Wahl der Lichtquelle, durch die Veränderung der Lichtquelle selbst (Veränderung durch Reflektoren, Diffusoren, Abschattung, Aufhellung, farbliche Anpassung) oder durch den Einsatz mehrerer und/oder verschiedener Lichtquellen beeinflussen. Durch die Kombination von natürlichem (vorhandenem) Licht und Kunstlicht (z. B. Aufhellung durch Blitzlicht) lässt sich ebenfalls die Lichtqualität beeinflussen.

Wodurch unterscheidet sich natürliches von künstlichem Licht?

  • Durch die Lichtmenge
  • Durch die Lichtqualität
  • Durch die Farbtemperatur
Lichtquelle und Beleuchtungsstärke

Kunstlicht, das Licht, das wir im Studio einsetzen, hat die Eigenschaft, sich durch die Entfernung vom Objekt qualitativ und quantitativ sehr stark zu verändern, im Gegensatz zu vorhandenem natürlichem Licht, das sich in unendlicher Entfernung befindet. Dies bedeutet, dass bei natürlichem Licht Objekt und Hintergrund stets gleich stark beleuchtet werden. Beim Einsatz von künstlichem Licht dagegen verändert sich die Lichtausbeute aufgrund der Entfernung zum Objekt.

Künstliche Lichtquellen

Künstliche Lichtquellen besitzen eine Farbtemperatur wie mittleres Tageslicht, also ca. 5.500 K (Kelvin). Es ist keine Farbanpassung notwendig (bei Tageslichtfilm). Die Farbanpassung in der digitalen Fotografie erfolgt durch den Weißabgleich.

Die Farben des Lichts

Jedes Licht ist farbig, im Bild neutral erscheint es nur, wenn es einer mittleren Farbtemperatur von ca. 5.500 K (Kelvin) entspricht. Dies setzt entsprechende Wetterbedingungen voraus. Je wärmer (rötlicher) das Licht ist, desto geringer ist die Farbtemperatur, je kälter (blauer) das Licht erscheint, desto höher ist die Farbtemperatur. In den Morgenstunden und am Abend ist die Lichtstimmung also wärmer. Bei strahlend blauem Himmel um die Mittagszeit ist die Farbtemperatur am höchsten, die Schatten erscheinen nun ebenfalls blau. Besonders deutlich wird dies bei Schnee und blauem Himmel. Weiße Wolken mildern das Blau und machen zudem das Licht diffuser (weicher).

Da sich unsere Augen den Lichtbedingungen anpassen, bemerken wir die Farbigkeit des Lichts oft erst auf dem fertigen Foto. Der Film oder Sensor ist jedoch, bei einer Anwendung ohne automatischen oder manuellen Weißabgleich, auf eine mittlere Farbtemperatur abgestimmt, deshalb führen alle Abweichungen unmittelbar zu einem Farbstich. Um diese Farbstiche zu korrigieren, gibt es die Möglichkeit
des Weißabgleichs . Hierbei wird der Sensor an die vorhandene Farbtemperatur angepasst, was auch unter speziellen Lichtbedingungen zu einer neutralen Farbwiedergabe führt. Nicht immer ist eine Weißabgleichskorrektur von Vorteil, in vielen Fällen ist ein solcher Farbstich sogar erwünscht, da er eine besondere Atmosphäre erzeugt. Stellen Sie sich einen Sonnenuntergang ohne seine rötlichen Farben vor – undenkbar.

Farbtemperaturwerte für typische Lichtquellen:

  • 1.500 K – Kerzenlicht
  • 2.800 K – Glühlampe (100 Watt)
  • 3.000 K – Halogenlampe
  • 5.500 K – Elektronenblitz
  • 5.500 K – mittleres Tageslicht
  • 6.500 bis 7.500 K – bedeckter Himmel
  • 7.500 bis 8.500 K – Nebel, starker Dunst
  • 9.000 bis 12.000 K – blauer Himmel (Schatten)
  • 15.000 bis 27.000 K – klares Nordlicht

Eine Alternative bei der Farbanpassung stellt die Nutzung von Filtern dar. Im Gebirge und an der See sind besonders hohe Blauanteile im Licht enthalten, diese können mit Skylight-Filtern gemildert werden. UV-Filter reduzieren zu hohe UV-Anteile im Licht und schaffen dadurch ein klareres Bild. Da die hochwertige Vergütung der heutigen Objektive bereits diesen Zweck erfüllt, bleibt dem UV-Filter nur noch eine Schutzfunktion, um die wertvolle Linse vor Schmutz und Kratzern zu bewahren. Mehr zum Thema Filter lesen Sie im Kapitel „Filter und deren Funktion“.

Weshalb dieser Aufwand, werden Sie jetzt sagen, wo doch im Labor oder am Computer solche Farbstiche entfernt oder sogar erzeugt werden können. Sie haben durchaus recht, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Wenn es nämlich um echte Farbqualität geht, ist das Licht absolut entscheidend für das Ergebnis. Korrekturen können hier nur noch unterstützend oder mildernd wirken. Nun gibt es auch Situationen, in denen eine Farbanpassung oder auch Filterung nicht hilft. Dies sind vor allem Farbstiche, die im Bild beispielsweise durch Reflexionen entstehen.

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Landschafts- und Naturaufnahmen

Natur ist vielfältig und anspruchsvoll, die Möglichkeiten der Fotografie sind unendlich, und es gibt wohl nur wenige Fotografen, die alle Spielarten der Naturfotografie beherrschen. Nur mit einer genauen Kenntnis des Motivs sind befriedigende Ergebnisse zu erwarten.

Beschäftigen Sie sich also mit dem, was die Natur Ihnen zu bieten hat, egal ob das Sonnenuntergänge oder Heuschrecken sind. Denn nur wenn man weiß, was man fotografiert und vor allem wie man es am besten fotografiert, macht die Fotografie auf Dauer Freude.

Landschaften der Toskana

Landschaftsfotografie ist so vielfältig wie die Oberfläche unseres Planeten. Einer der Klassiker für Landschaftsfotografie ist die Toskana. Die Toskana gilt mit Recht als eine der schönsten Landschaften Europas. Für Fotografen ein Paradies, da an abwechslungsreichem Licht und überraschenden Perspektiven in der Hügellandschaft kein Mangel herrscht.

Mit der Sonne im Rücken

Das Problem des Fotografen beschränkt sich darauf, einen Parkplatz zu finden, auszusteigen, sich die netteste Perspektive herauszusuchen und abzudrücken. Für ein entsprechendes Bild ist keine besondere Ausrüstung erforderlich. Mangelnde Brennweite können Sie durch Eigenbewegung (Turnschuhzoom) meistens gut ersetzen. Solange Sie darauf achten, die Sonne im Rücken zu haben, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Teleaufnahmen weit ins Land hinein

Die Hügel der Toskana verführen durch die weiten Ausblicke mit gestaffelten Bergen zu Teleaufnahmen ins Land hinein. Was vor Ort noch wunderbar aussieht, wird im Bild dann zu einer recht diesigen, bläulichen Angelegenheit. Im Frühling ist die Luft oft noch relativ klar, im Sommer steht die Luft, und Fotos werden ungenießbar.

Landschaften zur blauen Stunde

Nächtliche Landschaften zu fotografieren, ist eigentlich ein Widerspruch in sich. Während der blauen Stunde ist das aber durchaus möglich – und wenn man etwas Glück mit dem Wetter und der Mondphase hat, ist es ebenfalls möglich, einen Fast-Vollmond über der Toskana zu fotografieren. Die dafür notwendige Konstellation ist allerdings nicht allzu häufig und wird durch die Hügelstruktur der Toskana noch komplizierter.

Landschaft bei stockdunkler Nacht

Auch bei stockdunkler Nacht sind Landschaftsfotos möglich. Das dafür notwendige Licht liefern heutzutage Städte und Dörfer samt der dazugehörigen Dunstglocke. Dafür ist natürlich ein Stativ notwendig, in der Not tut es auch ein Autodach wie bei der Aufnahme des nächtlichen Volterra. Verwenden Sie bei allen Nachtaufnahmen mit Lichtern unbedingt die Spiegelvorauslösung.

Besitzt Ihre Kamera diesen Luxusnicht, nehmen Sie eine andere Auslöseverzögerung,beispielsweise einen Selbstauslöser oder eine Anti-Schock-Funktion , wie sie die spiegellosen Systemkameras (EVILKameras) eingebaut haben. Ohne Spiegelvorauslösung wird die Kamera samt Stativ durch den Druck auf den Auslöser in kleine Schwingungen versetzt, die sich im fertigen Bild dadurch bemerkbar machen, dass alle Lichter einen kleinen Ausreißer haben.

Rauschreduzierung durchführen lassen

Achten Sie auch darauf, nach der Aufnahme von der Kamera eine Dark-Frame-Rauschreduzierung durchführen zu lassen. Dabei wird unmittelbar nach der Aufnahme eine zweite, genauso lange Belichtung mit geschlossenem Verschluss durchgeführt, und die beiden Bilder werden miteinander verrechnet. Dadurch wird das Dunkelrauschen des Sensors sehr effektiv minimiert, ohne die Bildqualität zu beeinträchtigen.

Von vorne bis hinten durchgängig scharf

Eine der Standardregeln in der Landschaftsfotografie lautet: „Schließen Sie die Blende so weit, dass das ganze Bild von vorne bis hinten scharf ist.“ Abgesehen davon, dass dieser Rat bei Kompaktkameras, die bereits mit Offenblende knapp an der Beugungsgrenze arbeiten, nicht durchzuführen ist, kann es sich auch rentieren, die Landschaft ganz absichtlich in den unscharfen Bereich zu verschieben und dafür den Blickfang herauszuheben.

Ein dunstiger Hintergrund bleibt ein dunstiger Hintergrund, ob er nun scharf ist oder nicht. Speziell in der Toskana hat man die Möglichkeit, selbst bei Weitwinkelaufnahmen gestaffelte Schärfen zu realisieren. Das Foto der Villenruine auf Seite 151 ist ein solches Beispiel. Durch die offene Blende wird der Hintergrund etwas unschärfer, und die Villa hebt sich besser ab.

Ein Beispiel für diesen Vorder- und Hintergrundeffekt bietet das Bild mit Blumentopf. Bei Blende 22 wäre auch der Hintergrund leidlich scharf, und damit würde die Burg von Tignano im Hintergrund mit dem Blumentopf in Konkurrenz treten. Das Gebäude ist aber zu weit weg und auch nicht von der Sonne beleuchtet, kann also auf keinen Fall Hauptmotiv werden.

Da ist es besser, den Hintergrund als blanke Kulisse zu belassen und sich auf das Hauptmotiv zu konzentrieren. Unendliche Schärfentiefe ist nur dann von Interesse, wenn es im Bild auch wirklich was zu sehen gibt. Für Kompaktkamerabesitzer gibt es nur eine Möglichkeit, unerwünschter Schärfentiefe aus dem Weg zu gehen: ein langes Tele und viel Abstand. Echte Brennweite ist durch nichts zu ersetzen.

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Gesamte Leseprobe des Buchs „Perfekt fotografieren“ finden Sie unter:
Leseprobe des Buchs „Perfekt fotografieren“

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Vogelfotografie

Nur mit langer Brennweite

Beim Fotografieren von Vögeln tauchen ein paar überraschende Probleme auf. Für den Beginn ist ein gut bestückter Zoo dabei unbezahlbar. Die allererste Regel für die Vogelfotografie lautet: lange Brennweite. Sehr lange Brennweiten sind in zwei Versionen zu haben: als Zoomobjektive oder als Festbrennweiten. Festbrennweiten sind qualitativ meist besser und lichtstärker als Zoomobjektive. Billig sind beide nicht.

Turnschuhzoom der Festbrennweiten am Limit

Dass Festbrennweiten an einem prinzipiellen Problem leiden, sieht man beim Foto der beiden streitenden Graureiher. Der oft beschworene Turnschuhzoom hat bei der Vogelfotografie seine Grenzen, ein hier notwendiges Zurückgehen wäre nicht möglich gewesen. Mit einem entsprechenden Zoom hätte man kurzerhand etwas die Brennweite verringern können, und das Foto wäre perfekt gewesen. Leider erreichen entsprechende Zooms wiederum die Lichtstärke nicht, sodass Sie an irgendeinem Punkt immer einen Kompromiss eingehen müssen.

Geduld und schnelle Reaktionen

Vogelfotografie erfordert Geduld, starke Nerven und schnelle Reaktionen. Zunächst einmal kann es vorkommen, dass Sie stundenlang im Zoo herumsitzen und sich absolut gar nichts tut, und dann wiederum gibt es einen spektakulären Start eines Pelikans. Fatal, gerade jetzt haben Sie die falsche Brennweite montiert, oder die Kamera hat sich zur Stromersparnis ausgeschaltet. Da die langen, lichtstarken Brennweiten zur Vogelfotografie durchaus ein paar Kilo wiegen, sind entweder gut trainierte Oberarme und Schultern oder ein Stativ gefragt.

Fliegende Vögel fotografieren

Eines der größten Probleme sind fliegende Vögel . Nicht etwa weil sie zu schnell wären, sondern weil sie lediglich als Silhouetten am Himmel zu erkennen sind. Entweder man belichtet so hell, dass der Himmel weiß wird, oder man hat lediglich einfache schwarze Flecken. Abhilfe schafft die tief stehende Sonne; im Beispiel des Graureihers, das kurz vor neun Uhr entstand, beleuchtete die Sonne wenigstens noch einige Teile des Bauchs und den Kopf.

Sie können auch versuchen, die Vögel bereits in der Startphase zu erwischen, oder Sie konzentrieren sich generell auf tief fliegende Kulturfolger wie Möwen. Ein Blitz ist hier übrigens keine Hilfe. Die Entfernung zum Vogel betrug gut 70 Meter, selbst mit ISO 400 und Blende 2,8 hätte man einen Monsterblitz mit einer Leitzahl von 100 benötigt.

Vogelschwärme vor Sonnenuntergang

Relativ einfach sind Vogelschwärme vor Sonnenuntergängen zu fotografieren. Dafür empfehlen sich Wildgänsegruppen, weil sie abends gern auf Feldern Rast machen;
das Bild zeigt Wildgänse bei Tjolöholm in Südschweden. Sobald man dann zu Fuß näherkommt, fliegt die ganze Gruppe auf, und man muss nur noch auf den Auslöser drücken. Ein paar Vorüberlegungen dazu schaden aber nicht: Will man die Vögel auf dem Boden, im Moment des Auffliegens oder gegen den Abendhimmel haben?

Für jede dieser Situationen ist eine andere Kameraeinstellung zu empfehlen. Ein Umstellen der Kamera, sobald die Tiere fliegen, ist jedoch so gut wie nicht mehr möglich. Konzentrieren Sie sich also auf eine der beschriebenen Möglichkeiten.

Möchten Sie die Tiere am Boden oder im Moment des Auffliegens erwischen, nähern Sie sich von der Sonnenseite her. Wollen Sie die Vögel nach dem Auffliegen gegen den Himmel im Sucher haben, ist natürlich genau diese Richtung die falsche. Beim gezeigten Bild wurde dieser Fehler begangen. Die Kamera wurde auf die Vögel am Boden eingestellt – offene Blende, hoher ISO-Wert –, und anschließend wurde die Gruppe durch zu große Annäherung aufgescheucht.

Beim Auffliegen konnte der Autofokus der Menge flatternder Gänse nicht mehr folgen und fokussiert auf den Hintergrund, sodass alle Bilder unscharf wurden. Stellt man den Fokus auf einen einzelnen Vogel ein, wird dieser zwar scharf abgebildet, aber die Schärfentiefe reicht nicht für den Rest des Schwarms aus. Erst als die Vögel vergleichsweise weit weg waren, reichten Fokus und Schärfentiefe aus. Dass es dann mit der Drittelteilung doch hingehauen hat, ist wohl eher dem Zufall zu verdanken.

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Über die Autoren Klaus Kindermann und Reinhard Wagner:
Klaus Kindermann

Klaus Kindermann, Jahrgang 1951, arbeitet seit 1983 als selbstständiger Fotograf mit Meistertitel und seit 1998 auch als Dozent für Fotografie und digitale Bildbearbeitung in München. Fotografische Schwerpunkte sind Industrie-, Werbe- und Modefotografie. Durch seine Arbeit als Fotoassistent, Presse- und Reprofotograf in den Jahren 1969 bis 1976 hat er fundiertes Wissen über angewandte Fotografie und Bildbearbeitung in der Druckvorstufe erworben und als Mann der ersten Stunde konsequent ins digitale Zeitalter übertragen.

Reinhard Wagner

Reinhard Wagner, Jahrgang 1963, bekam mit zehn Jahren eine Kodak Instamatic geschenkt, die ausschließlich quadratische Negative erzeugte. Nachdem er einige Jahre hauptsächlich schiefe Bilder produziert hatte, weil lediglich in der Diagonalen genügend Platz fürs Motiv war, setzte er mit 14 eine Kleinbild-Exakta Varex IIa durch und ist seitdem vom Spiegelreflex-Virus befallen. Seit 1981 macht er – mit Unterbrechungen – Zeitungsarbeit, setzt dabei seit 1999 auch Digitalkameras von Olympus ein und dreht Kurzfilme. Technischen Hintergrund erhielt er an der Universität Erlangen und der Fachhochschule Regensburg, seine Sozialisation übernahmen seine Frau und seine beiden Kinder. Seit 2008 leitet er neben seinem 1995 gegründeten Verlag auch die Website oly-e.de, eines der größten Foren zu Olympus im deutschsprachigen Raum.

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Jonathan Torke
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