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Google Plus vs. Facebook

Bereits seit 2004 dominiert Facebook unangefochten den Bereich der Social Network Plattformen. Auch in Deutschland erfreut sich das von Mark Zuckerberg entworfene Portal stetig wachsender Beliebtheit. Über 20 Millionen deutsche Internetuser sind dem Phänomen Facebook bereits verfallen, die weltweiten Nutzerzahlen belaufen sich auf über 800 Millionen User.

Lange Zeit sah es so aus, als könne niemand auch nur ansatzweise an den Erfolg des Unternehmens anknüpfen, Social Network Plattformen wie MySpace sind dank stetig rückgehenden Mitgliederzahlen bereits nahezu in der Versenkung und aus den Köpfen der Internetuser verschwunden.

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Sprungmarken:

Google+ ist offen für alle

Das einst in Deutschland weit verbreitete VZ-Portal musste tatenlos zusehen, wie die meisten Nutzer zur amerikanischen Konkurrenz abwanderten, als würde es sich nicht um gebrauchte Software, sondern um etwas bahnbrechend Neues handeln. Ernsthafte Konkurrenz könnte Zuckerberg nun ausgerechnet aus dem Hause Google bekommen: Dessen Social Network Google+, vor einigen Monaten noch als müder Facebook-Abklatsch belächelt, könnte in der Tat jene schwierige Aufgabe gelingen, an die sich andere Unternehmen aus Respekt vor dem allmächtigen Facebook-Netzwerk erst gar nicht herangewagt haben.

War die Anmeldung auf Google+ noch vor einigen Wochen internetaffinen Early Adopters und derem Anhang vorbehalten – Anmelden konnte sich nur, wer eine Einladung erhielt – hat das Unternehmen seinen Facebook-Konkurrenten nun offiziell für sämtliche Internetuser freigegeben.

Mit gigantischem Erfolg: Über 25 Millionen Menschen haben sich bereits Ende Juli (sechs Wochen nach Launch) bei dem sozialen Netzwerk angemeldet. Zum Vergleich: Facebook benötigte nach dem Start stolze drei Jahre, ehe man sich an einer Nutzerzahl von 25 Millionen Usern erfreuen durfte.

Grafische Darstellung: Anzahl der Monate seit Launch zum Erreichen von 25 Millionen User weltweit.

Allerdings verfügte Facebook damals auch nicht über eine weltweit bekannte Marke. Somit bleibt abzuwarten, ob Google somit der Durchbruch auf dem Markt der sozialen Netzwerke gelingen wird.

Mit dem Verteilen von Vorschusslorbeeren sollte man sich mit Hinblick auf den zukünftigen Userzuwachs vorab noch ein wenig zurückhalten, vor allem vor dem Hintergrund des immer noch sehr schnelllebigen Online-Marktes. Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist dem Suchmaschinen-Unternehmen mit dem erfolgreichen Start von Google+ allerdings zweifelsohne gelungen.

Google+ – Kein reiner Facebook-Klon

Was genau unterscheidet Google+ eigentlich vom Marktführer Facebook? Besonders positiv hervorzuheben dürfte definitiv die Tatsache sein, dass Google mit seinem Sozialen Netzwerk keinen reinen Abklatsch von Mark Zuckerbergs Erfolgsprogramm veröffentlichte.

Facebook diente für den Aufbau von Google+ zwar definitiv als Vorlage, im Bereich der Farbwahl, sowie in der Aufteilung einzelner Elemente schlägt Google jedoch klar seinen eigenen Weg ein, ganz im Stil der eigenen CI (wer nicht weiß was CI bedeutet – einfach im Marketinglexikon nachschlagen). Auf den ersten Blick überzeugt die neue Plattform mit bunten und erfrischenden Farbkompositionen und hebt sich somit deutlich von den altbekannten Blau- und Weiß-Farbtönen von Facebook ab.

Statusmeldungen, eine der beliebtesten Funktionen auf Facebook, finden sich in Form von Streams auf Google+ wieder und der legendäre „Gefällt mir“-Button heißt bei Google „1+“. Manche munkeln, er sei der eigentliche Grund für den Vorstoß in den Markt der sozialen Netzwerke. Private Auskünfte der Nutzer über ihre Vorlieben, werden für den Werbe- und Marketingmarkt in naher Zukunft eine noch größere Rolle spielen. User, die ein Autobastler-Forum plus-einsen/plussen (wenn ein einzelnes Wort in den allgemeinen Wortschatz eingegangen ist, hat es Google Plus wohl geschafft) könnten sich beispielsweise von Werbung für gebrauchte Autoteile angesprochen fühlen.

Vor allem im Bereich der Neuanmeldung kann Google+ mit einem überaus leicht verständlichen Usermenü punkten, Facebook-Frischlinge benötigen in der Regel einige Tage zur Orientierung, um von der gewaltigen Menge an Einstellungen, Anpassungen und verschachtelten Untermenüs nicht regelrecht erschlagen zu werden. Vor allem in den letzten Monaten verärgerte Facebook seine User mit stetig wechselnden Geschäftsbedingungen, wichtige Änderungen wie die Nutzung von User-Fotos für Werbezwecke wurden standardmäßig aktiviert, ohne den Nutzer breitflächig über derartige Änderungen zu informieren.

Auch in Sachen Datenschutz machte Facebook in den vergangenen Monaten stets negativ auf sich aufmerksam, einen größeren Benutzerrückgang konnte das Unternehmen jedoch trotz permanent negativer Berichterstattung nicht verzeichnen, allerdings wachsen die Nutzerzahlen nicht mehr so schnell wie bisher. Im Vergleich zu Zuckerbergs Unternehmen punktet Google Plus mit überaus einfachen und leicht verständlichen Benutzereinstellungen und unverständliche Optionen werden dem User dank umfangreichen Hilfestellungen erläutert. Vor allem Neuzugänge im Bereich der sozialen Netzwerke dürfte die kinderleichte Bedienung von Google+ begeistern.

Getrennte Freundeslisten ermöglichen intimeren Austausch von wichtigen Informationen

Google+ gestaltet die Interaktion mit Personen im Web ähnlich wie im richtigen Leben. Teile deine Gedanken, Links und Fotos mit den passenden Kreisen. Nutze die einfachen und spontanen Video-Chat-Funktionen, um dich gleichzeitig mit bis zu 9 Leuten zu unterhalten. Halte alle deine Freunde mit dem einfachen und schnellen Gruppen-Chat auf dem neuesten Stand. Mit Google+ gibt es viele spannende, neue Möglichkeiten, Inhalte mit anderen zu teilen.

Eine wahre Sensation präsentiert Google+ seinen Nutzern durch die Einführung von sogenannten Circles, welche als „Freundeskreise“ fungieren. Im Vergleich zu Facebook kann (und muss) der User bei Google seine Freunde in unterschiedlichste Freundschaftskategorien aufteilen.

Selbstverfasste Streams müssen durch diese Aufteilung nicht mehr mit der kompletten Freundesliste geteilt werden. Der User selbst bestimmt innerhalb weniger Sekunden, welche Informationen er mit welchen Circles teilen möchte. Arbeitskollegen erfahren somit nichts von der durchzechten Partynacht am vergangenen Wochenende. Und private Reisen mit der Familie können unbeobachtet von neugierigen Blicken der Freunde besprochen und geplant werden.

Zwar bietet auch Facebook derartige Listen an, aufgrund der überaus komplizierten Handhabung blieben diese von vielen Usern jedoch nahezu unberührt. Mit dem Start von Google+ überarbeitete Facebook diese Funktion zwar noch einmal ausgiebig, wirklich zufriedenstellend ist das momentane Ergebnis allerdings immer noch nicht. Auch bei der Verwendung der Chatfunktion kommen die vorab erstellten Circles zum Einsatz, ungeliebte Benutzergruppen können sich hierbei mit einem einfachen Mausklick ausblenden lassen.

Neben der klassischen Kommunikation über den integrierten Chat ermöglicht Google+ die Kontaktaufnahme über die Funktion Hangouts. Wenn man beim Ausgehen zufällig Freunde trifft, ist das oft der Höhepunkt des Abends. Hangouts machen das Web noch spontaner. Egal, ob du zu Hause einen gemütlichen Abend verbringen oder mit deinem Mobiltelefon um die Häuser ziehst: Mit Video-Hangouts holst du bis zu 9 Leute auf deinen Bildschirm.

An dieser Funktion, die im Prinzip eine hochwertige Videokonferenz ermöglicht, können bis zu zehn Personen gleichzeitig teilnehmen.

Eine weitere, interessante Option von Google+ sind die sogenannten Sparks, welche in etwa den „Gefällt mir“-Seiten von Facebook ähneln. Im Gegensatz hierzu reicht bei Google die Eingabe eines favorisierten Begriffs, um im Anschluss täglich die neusten Informationen über dieses Keyword abzurufen.

Fotoverwaltung:
Verbraucher, welche bereits von Google Produkten wie dem Fotoverwaltungsprogramm „Picasa“ Gebrauch machen, können deren Inhalte bequem auf ihren Account übertragen.

Einträge auf Pinnwänden von Freunden sind bei Google+ nicht möglich

Freunde von den beliebten Pinnwandeinträgen auf Facebook könnten bei Google+ jedoch schnell bedröppelt aus der Wäsche schauen: Einträge auf Pinnwänden von Freunden sind nicht möglich, lediglich eigene Einträge können von Freunden kommentiert oder mit einem Plus1 ausgezeichnet werden. Ist diese Option für einige User ein echter Segen, stehen viele Facebook-Anhänger dieser Einschränkung negativ gegenüber, da das nahezu sinnlose zuspamen fremder Pinnwände eines der absoluten Highlights von Facebook darstellt.

Weiterer negativer Aspekt der Beschränkung: Pinnwände von Usern, welche ohnehin nicht viel zu erzählen haben, bleiben durch den Wegfall von Freundeseinträgen langfristig betrachtet leer.

Sozialer Meilenstein für Google?

Es scheint so, als hätte Google mit der Veröffentlichung von Google+ endlich einmal alles richtig gemacht. Zwar hat sich das Unternehmen mit seiner einfach zu bedienenden Suchmaschine einen festen Platz in den Köpfen der informationssuchenden Internetuser verschafft und ist auf diesem Gebiet der Platzhirsch, um nicht zu sagen Monopolist – unzählige andere Projekte aus dem Hause Google gingen in jüngster Vergangenheit jedoch nahezu den Bach hinunter.

Es scheint Google versucht sich nach und nach in jeder Sparte der Online-Welt zu etablieren und produziert nach dem Trial and Error verfahren eine Menge digitalen Abfall.

  • Negativ in Erinnerung blieben etwa der Suchdienst Google Viewer, welcher nach Eingabe von einzelnen Keywords umfassende Suchergebnisse in Form einer Diashow präsentierte. So schnell, wie das Angebot 2002 an den Start ging, verschwand es auch wieder in der Versenkung.
  • Ein ebenfalls schnelles Ende bereitete Google seinem Google Video Player, welcher nicht wirklich durch Innovation glänzte und seitdem auf dem Softwarefriedhof ein schattiges Plätzchen gefunden hat.
  • Mit Google Checkout wagte man sich im Hause Google im Jahr 2007 an ein Konkurrenzprodukt zum Ebay-Bezahlsystem PayPal. Der Plan, auf einer Ebay-Veranstaltung Werbung für das neue System zu machen, um zeitgleich gegen den Boykott von Ebay gegenüber Checkout zu protestieren, ging jedoch nach hinten los. Ebay kündigte als Reaktion sämtliche geschalteten Werbeeinblendungen auf den US-Seite von Google.
  • Überaus peinlich verlief auch der Start von Google Answers, bei dem Internetuser dem Unternehmen gegen anfallendes Entgelt Fragen stellen konnten, welche von hochqualifizierten Mitarbeitern beantwortet wurden. Dass die Bezahlung von Dienstleistungen nicht unbedingt zu den Vorlieben eines jeden Internetusers gehört, merkte Google allerdings erst viel zu spät, das Projekt verschwand daraufhin sang- und klanglos in der Versenkung.
  • Auch der Internetbrowser Google Chrome konnte sich, trotz zugegeben qualitativ hochwertiger Leistungen, nie in Deutschland durchsetzen. Während der Internet Explorer im ersten Quartal 2011 bei knapp 34% Nutzung und der Firefox bei etwa 40% liegt, dümpelt Google mit seinem als „Datenschleuder“ betitelten Webbrowser mit mageren 7% Nutzungsanteil weit hinter der Konkurrenz dahin.

Facebook schläft nicht

Angesichts der unerwartet hohen Benutzerzahlen seitens Google+ war es nur eine Frage der Zeit, bis Facebook zu ersten Gegenschlägen ausholen würde. Nur eine Woche nach dem Start von Googles Social Network reagierte das Unternehmen und kündigte auf einer offiziellen Pressekonferenz ein Videochat-Tool an, welches auf vielen Profilen bereits noch am selben Abend freigeschaltet wurde, anders als bei Google jedoch nur die Kommunikation mit einer einzelnen Person ermöglicht.

Auch die Ansicht der Fotoalben wurde mittlerweile von Grund auf geändert, der unattraktive schwarze Rand um einzelne Bilder wurde durch ein ansehnliches Pop-Up-Fenster ausgetauscht, welches die eigentliche Homepage unscharf stellt und lediglich das betrachtete Foto hervorhebt.

Auch im Bereich der Privatsphäre-Einstellungen sah sich Facebook aufgrund der Circle-Funktion aus dem Hause Google gezwungen, einige grundlegende Veränderungen vorzunehmen. Einträge können seit einigen Tagen sowohl vor dem Absenden, als auch nachträglich für bestimmte Nutzergruppen angepasst werden, das Unternehmen reagierte somit indirekt auf anhaltende Kritik von Usern, welche bestimmte Statusmeldungen nur mit vorab ausgewählten Personengruppen teilen möchten.

Auch für die nahe Zukunft hat Facebook bereits einige grundlegende Änderungen für sein Social Network angekündigt – Die Einführung der Chronik.

Einführung der Chronik

Das Profil als Timeline ist eine Sammlung von den besten Fotos, Beiträgen und Anwendungen, die den User helfen seine eigene Lebensgeschichte zu erzählen.

Gerüchten zufolge sollen sich neben dem altbekannten „Gefällt mir“-Button zusätzliche Elemente in Form von Angeschaut-, Gelesen-, oder Angehört-Knöpfen hinzugesellen, ferner ist offenbar eine iPad-optimierte HTML5-Version der Homepage geplant.

Das Erfolgsprodukt Facebook – Was macht das Social Network derartig beliebt?

Facebook war nicht das erste soziale Netzwerk, in vielen Ländern gab es gut etablierte Konkurrenz-Plattformen und auch in Sachen Usability ist Facebook nicht unbedingt ein Glanzlicht. Gründer Mark Zuckerberg verhalf das Unternehmen dennoch zu einem ansehnlichen Vermögen von rund 6,9 Milliarden US-Dollar und heute ist Facebook mit 800 Millionen Nutzern unumstritten das größte Netzwerk der Welt.

Besonders die internationale Verbundenheit mit anderen Usern und Freunden, sowie die Möglichkeit sich stets via Statusupdates, Privatnachrichten oder Chatfunktion über die aktuellsten Neuigkeiten zu informieren, liegt bei Nutzern des Social Networks hoch im Kurs. Anders, als bei Anwendungen wie SchülerVZ oder StudiVZ verfügt Facebook über keinerlei Altersbeschränkungen und begeistert somit sowohl junge, als auch ältere User. Dutzende kostenlose Spiele, sowie stetig angepasste und erweiterte Nutzungsmöglichkeiten dürften ebenfalls einen Großteil zum Erfolgsphänomen Facebook beitragen.

Und welches Unternehmen kann schon von sich behaupten, einen Oscar-prämierten Hollywood-Film als Imagefilm zu besitzen. Noch nicht mal Apple – sonst bekannt für cleveres Marketing (bzw. ausuferndes product placement) – kann derartiges vorweisen. Facebook gelang damit eine längst überfällige Entwicklung für sich zu vereinnahmen: die Person des obersten Nerds, den Träger der Geek-Krone, auszutauschen.

Mark Zuckerberg ist das Online-Pendant zum Offline Bill Gates. Google Plus hat also noch einen langen Weg vor sich, möchte es zu einer ernsthaften Konkurrenz im Bereich sozialer Netzwerke werden.

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2 Antworten auf "Google Plus vs. Facebook"
  • Avatar

    Ich sehe das Ganze auch noch jetzt eher zwei geteilt.

    Meiner Meinung nach finde ich es gut, dass es zwei verschiedene Netzwerke gibt. Facebook für private und eher „sinnlose“ Dinge, wie gespamme.

    Google+ für die professionelleren Anliegen und „epische“ Diskussionen!

    Meine „Köpfe“ in einem Rangsystem:
    1. G+
    2. Twitter
    3. Facebook

    Aber gut, das sieht jeder anders – zum Glück! :)

  • Avatar

    Hallo,

    ich sehe die Dinge auch wie mein vorredner. Facebook ist schön und gut, bringt aber noch keinen Umsatz. Wohingehend google+ von google erkannt wird und somit einen guten Einfluss auf die Homepage hat.

    Gruß

    Steffen

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