Blogging ohne Sidebar

Blogging ohne Sidebar? – Ein Selbstversuch

Vor einigen Monaten hat mein Blog ein grundlegendes Redesign erhalten. Die Zielsetzung war, den Fokus weg von Advitum als Unternehmen, hin zu den Artikeln auf Advitum zu konzentrieren. Ich wollte mich stärker auf die Qualität der Artikel konzentrieren und dafür sorgen, dass diese auch für meine Leser klar im Fokus stehen.


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Eine wichtige Entscheidung, die ich hierbei getroffen habe: mein Blog hat keine Sidebar mehr. Diese Entscheidung habe ich – gerade am Anfang – oft angezweifelt. Aber ich bereue sie nicht, denn weder ich noch der Großteil meiner Nutzer vermissen eine Sidebar auf meinem Blog.

Ich habe den Selbstversuch gewagt und es nicht bereut. In diesem Artikel möchte ich Dir zeigen, dass Blogging auch ohne Sidebar möglich ist.

Pro und Contra – die üblichen Argumente

Zunächst schauen wir uns einmal an, welche Argumente für oder gegen eine Sidebar sprechen könnten. Dies sind natürlich nicht alle Argumente, sondern jene, die ich am meisten gehört habe und die mir auch selbst einfallen.

Was spricht für eine Sidebar? Was spricht gegen eine Sidebar?
  • Dem Nutzer werden zusätzliche Informationen geboten.
  • Bessere interne Verlinkung durch weiterführende Links.
  • Durch die Sidebar kann der Haupt-Inhalt von weiterführendem Inhalt getrennt werden.
  • Die Sidebar streitet sich mit dem Inhalt um die Aufmerksamkeit des Nutzers.
  • Es entsteht ein Ungleichgewicht auf der Seite.
  • Auf kleinen Bildschirmen wird Platz »verschwendet« oder die Sidebar verschwindet plötzlich.

Dir fallen sicher noch weitere Argumente ein und ich würde mich freuen, wenn Du Deine Argumente in einem Kommentar hinterlässt. Für mich ist das Bloggen ohne Sidebar schließlich auch ein Experiment und ich freue mich über möglichst viel Feedback!

Meine Erfahrungen mit Sidebars

Um ehrlich zu sein, haben mir Sidebars nie wirklich gefallen. Ich wusste nie, was ich nun in die Sidebar packen soll und was lieber nicht. Auf vielen Blogs fand ich die Sidebar einfach nur überladen und unübersichtlich. Also dachte ich mir: „Versuch es einfach mal ohne Sidebar!“ Das habe ich dann auch gemacht.

  • Für mich ist der entscheidende Nachteil von Sidebars, dass sie den Nutzer vom Inhalt weg lenken. Gerade der Inhalt steht für den Blogger aber normalerweise im Zentrum. Warum also nicht auch für den Nutzer?
  • Beim Layout meines Blogs ergibt sich durch den Wegfall der Sidebar ein großer Vorteil: Ich kann die gesamte Breite für meinen Artikel nutzen.

Ich kann die ganze Breite nutzen, so kann ich zum Beispiel den Text dreispaltig darstellen.

Anhand meiner Statistiken kann ich feststellen, dass dadurch wesentlich mehr Nutzer herunterscrollen und den Artikel durchlesen. Auf kleinen Bildschirmen sieht das Layout fast genauso aus. Lediglich die Dreispaltigkeit fällt weg. So bietet sich dem Nutzer ein konsistentes Erlebnis auf allen Endgeräten.


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Aber fehlt die Sidebar nicht?

Von anderen Bloggern höre ich oft die skeptische Frage, ob die Sidebar nicht fehlen würde. Wo sind denn jetzt die Suche, weiterführende Artikel und all die anderen Dinge, die vorher in der Sidebar Platz fanden?

Meine Antwort darauf:

Die meisten Dinge, die ich in der Sidebar hatte, ließen sich viel sinnvoller direkt in die Hauptspalte integrieren. Weiterführende Artikel machen doch am Ende des Artikels am meisten Sinn, wenn der Nutzer gerade den Artikel gelesen hat und nun mehr Informationen oder einen passenden Artikel sucht.

Hier passen diese Inhalte sogar noch besser hin. Getreu dem Motto „Don’t make me think!“ bieten wir dem Nutzer erst gar nicht die Wahl, nach zusätzlichen Informationen in der Sidebar zu suchen, sondern steuern ihn linear, von oben nach unten und geben ihm so an der jeweils passenden Stelle die Inhalte, die für ihn Sinn machen. Bei einem Roman hat man ja schließlich auch nicht die Option, am Buchrand weitere Informationen abzurufen.

Die Sidebar als Ablenkung

Auch hier spreche ich aus Erfahrung. Früher habe ich in Tageszeitungen oft folgende Anordnung von Text gesehen:

Zweispaltiger Text mit einem Einschub, der aus dem Text herausbricht.

Wenn ich eine solche Textpassage gelesen habe, wusste ich nie, an welcher Stelle denn der Einschub zu lesen ist. Und wenn ich dann den Einschub gelesen habe, wusste ich meist nicht mehr, an welcher Stelle im Fließtext ich weiterlesen musste.

Genau das Gleiche tritt auch mit Sidebars auf. Nehmen wir an, ein Nutzer liest sich die ersten drei Absätze eines Artikels durch. Nun entdeckt er in der Sidebar etwas, das seine Aufmerksamkeit erregt. Sein Fokus fällt also auf die Sidebar. Wenn er nun den Artikel weiterlesen will, muss er erst die Stelle suchen, an der er aufgehört hat. Wahrscheinlich ist die Aufmerksamkeit des Nutzers nun weg und er verlässt vielleicht sogar die Seite.

Kittel-Brenn-Faktor – oder was will der Nutzer?

Die einzige Funktion, die ich durch den Wegfall der Sidebar wirklich vermisse ist die Suchmaske. Nutzer haben nun nicht mehr die Möglichkeit, direkt auf meiner Seite nach einem Artikel zu suchen, der ihnen gefällt.

Mir ist aber aufgefallen, dass das gar nicht so schlimm ist. Die meisten Nutzer kommen nicht über die Startseite oder eine Landingpage auf meinen Blog, sondern kommen direkt von Google oder Bing auf einen Artikel. Kurz gesagt: Wahrscheinlich hat der Nutzer schon genau den Artikel gefunden, den er sucht.

Über ähnliche Artikel am Ende dieses Artikels kann dem Nutzer weiterer Inhalt angezeigt werden, der ihn sehr wahrscheinlich auch interessiert.

Mit diesem Vorgehen habe ich durch das neue Design erreicht, dass Nutzer, die von Google direkt auf einen Artikel geleitet werden, durchschnittlich zwei bis drei Artikel auf meinem Blog lesen, bevor sie meine Seite verlassen. Und über 30 Prozent dieser Nutzer kommen zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu einem dieser Artikel zurück.

Fazit: Eine Sidebar ist nicht immer nötig

Obwohl die Mehrheit aller Blogs heutzutage eine Sidebar haben, ist diese nicht immer nötig. Ohne Sidebar ist es oft viel effizienter möglich, den Nutzer durch die Seite zu interessanten Inhalten zu leiten.


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Für mich hat sich der Selbstversuch auf jeden Fall gelohnt. Meine Seite ist durch den Wegfall der Sidebar wesentlich übersichtlicher geworden und meine Nutzer finden die Informationen, die sie suchen, viel schneller.

Eins möchte ich aber klarstellen: Es gibt nie eine absolute Wahrheit! In meinem Fall hat sich gezeigt, dass die Sidebar überflüssig ist. Es gibt aber bestimmt Blogs, auf denen die Sidebar unverzichtbar ist. In meinem Fall waren die richtigen Grundlagen vorhanden: Die meisten Nutzer meiner Seite gelangen von Google direkt auf einen Artikel, nach dem sie auch gesucht haben. Außerdem ist die Navigation meiner Seite recht übersichtlich, sodass diese sich sehr gut im Header unterbringen ließ.

Ob eine Sidebar sinnvoll ist oder nicht, hängt immer sehr stark vom Einzelfall ab. Mit diesem Artikel möchte ich Dich aber dazu anregen, selbst nachzudenken. Nicht alles, was sich im Internet etabliert hat, ist auch sinnvoll. Dir fällt bestimmt noch etwas Individuelles und Innovatives ein. Wer weiß, vielleicht setzt Du mit Deiner tollen Idee ja sogar den nächsten Web-Trend. Also, denk nach!

Und jetzt würde ich mich über ganz viele Kommentare von Euch freuen! Habt ihr auf eurem Blog eine Sidebar? Welche Vor- und Nachteile sehr ihr in einer Sidebar? Schreibt mir einen Kommentar!

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Lars Ebert

Lars Ebert ist ein junger Webdesigner und Programmierer aus Lüdenscheid. Er bloggt auf Advitum.de über Webdesign, PHP und Co, seit einiger Zeit schreibt er auch regelmäßig Gastartikel für diverse andere Blogs aus der Webdesign-Szene.

7 Antworten auf "Blogging ohne Sidebar? – Ein Selbstversuch"
  • Naztiva:

    Die Suche könntest du doch noch in deinen Header oben Rechts einbauen. Auf der Startseite würde ich noch die meist kommentierten Artikel sowie neuesten Kommentare einbauen. Unter „Projekte“ im Style vom linken Teil des Ausschnitts des ersten Artikels.

    Was dein Theme allgemein angeht, vermisse ich extrem viele titles in deinen Links zu den Artikeln und Navigation. Auch würde ich das „große Artikelbild“ inkl. Hintergrund sowie die Überschrift zu einem Link zum Artikel selbst machen.

  • René:

    Viele nutzen die Sidebar schlicht und einfach nur für Werbung, die in dem ein oder anderen Fall nur den Blick vom Artikel ablenkt, oder den Lesefluss stört…

  • @Naztiva: Ich bin eigentlich recht zufrieden mit dem »leeren« Header. Aber mal sehen, vielleicht kommt die Such-Funktion doch noch mal wieder rein. Aber du hast durchaus Recht, bei dem Theme fehlen vorne und hinten noch einige Details wie titel-Tags und alt-Attribute. Vielleicht baue ich dann die neuesten Kommentare auch noch ein, wobei das auch wieder eine Funktion ist, die mir auf anderen Blogs nie wirklich einen Mehrwert bietet.

    @René: Richtig, die Werbung war früher auch Hauptelement meiner Sidebar. Aber seit dem Relaunch ist auf Advitum.de keine Werbung mehr drinne und ich denke so wird es auch vorerst bleiben. Google AdSense hat mir einfach zu wenig abgeworfen, so billig wollte ich meinen Ruf dann doch nicht verkaufen und für Direktmarketing sind meine Besuchszahlen nicht blumig genug.

    • Jonathan

      „Vielleicht baue ich dann die neuesten Kommentare auch noch ein, wobei das auch wieder eine Funktion ist, die mir auf anderen Blogs nie wirklich einen Mehrwert bietet.“

      Sehe ich ähnlich: ich habe Die Anzeige der aktuellen Kommentare ebenfalls aus meiner Sidebar herausgenommen. Mir persönlich bietet diese Anzeige auf anderen Blogs bestenfalls einen raschen Eindruck darüber, wie lebhaft die Teilnahme der Leser auf einem Blog ist.

      Für andere wiederum ist dies ein wichtiges Element für die Diskussionsnavigation eines Stammblogs. Wenn Besucher sich regelmäßig auf anderen Blogs durch Kommentare beteiligen und sich zwischen anderen Kommentatoren eine Blog-Community bildet, so würden diese Blogbesucher vermutlich eher einen Beitrag lesen, wenn sie sehen, dass ein bereits bekannter Kommentator aus früherer Diskussionen im Widget der aktuellen Kommentaren der Sidebar zu sehen ist. Die Neugierde, was ein bekannter Diskussionsteilnehmer zu sagen hat, ist in einer belebten Community hoch.

      Es kommt immer auf den einzelnen Blog an, wie sinnvoll die Kommentaranzeige und die Anzeige einer Sidebar in einem Blog tatsächlich sind. Ich entwickle Themes daher so, dass die Anzeige der Sidebar sogar für jeden einzelnen Beitrag ein- oder ausgeschaltet werden kann.

  • Hi,
    ich bin eher für die Sidebar, da ich dort Platz brauche, um weitere Bloginhalte zu platzieren. Auch ein bisschen Werbung gehört in die Sidebar, da man sonst nicht weiss, wo die kleinen 125×125 Banner hin sollen. Aber es freut mich, dass du nun ohne die Sidebar auskommst. Anscheinend funktioniert es bei dir. Ich kann schon nachvollziehen, dass die Sidebar vom eigentlichen Lesen der Artikel abhält. Aber da sich bei mir bisher niemand beschwert hat, belasse ich die Sidebar im Blog und sie wird ja auch gebraucht :-).

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